2013: Istanbul

Fünf Tage Istanbul vom 9. bis 13. Juni 2013
— pulsierende Metropole auf zwei Kontinenten

Rosi Gerlich:

Diese Tour war eine etwas andere Wanderreise: Es wurden etliche Kilometer auf Pflasterstraßen zurückgelegt, und in die Höhe ging es auch in Form von vielen Treppenstufen. Die Teilnehmer mussten also durchaus gut zu Fuß sein, wie in der Ausschreibung gefordert. So fanden sich dann zehn Mitglieder und vier Gäste bereit, diese Herausforderung anzunehmen.

Am Sonntagmorgen wurden wir von zwei Sammeltaxen abgeholt und zum Flughafen nach Hamburg gebracht, wo unser Flieger um 11:30 Uhr startete. Nach drei Stunden Flug kamen wir mit einer Stunde Zeitverschiebung um 15:30 Uhr in Istanbul an, wo wir von unserem Reiseleiter Ali in Empfang genommen und mit einem Bus zum Hotel gefahren wurden. Nach der Zimmerbelegung stand der erste Marsch zum Hafen auf dem Programm. Während einer Schiffsfahrt auf dem Bosporus genossen wir neben balık ekmek (Fischbrot) die grandiose Aussicht auf diese fantastische Stadt mit ihren unzähligen Minaretten, die im betörenden Licht des Sonnenuntergangs in den Himmel ragten, und bekamen einen ersten Eindruck von dieser riesigen Stadt mit etwa 13 Millionen Einwohnern. Den warmen Sommerabend ließen wir auf der Dachterrasse unseres Hotels in der Altstadt ausklingen und begeisterten uns am Anblick der Hagia Sophia zur einen und am beleuchteten Hafen zur anderen Seite.

Schiffsfahrt auf dem Bosporus
Schiffsfahrt auf dem Bosporus

Nach einer lauten Nacht hatten am Montagmorgen nicht alle wirklich ausgeschlafen, waren aber dennoch hellwach für einen aufregenden Tag. Unser Hotel hielt jeden Morgen ein sehr reichhaltiges Frühstücksbüfett bereit, das entweder im Restaurant im obersten Geschoss oder auf der Dachterrasse eingenommen werden konnte. Der erste Besuch führte uns in die Yerebatan Sarnıcı, auch versunkenes Schloss genannt. Diese byzantinische Zisterne ist die größte und bekannteste der Stadt. Sie ist 140 m lang, 70 m breit und 8 m hoch und hat ein Fassungsvermögen von 80.000 Kubikmeter. 336 Säulen mit ionischen und korinthischen Spolienkapitellen tragen das Kreuzgewölbe aus Ziegelsteinen.

Die Yerebatan Zisterne
Die Yerebatan Zisterne

Ein kleiner Spaziergang führte uns auf das Hippodrom. Die ehemalige Pferderennbahn wurde zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Sie war 480 m lang und 117 m breit. In dem prachtvollen Bau fanden 100.000 Zuschauer Platz. Auf dem heutigen Sultanahmet-Platz befindet sich der 3.500 Jahre alte Theodosius-Obelisk, das älteste antike Bauwerk Istanbuls. Der Deutsche Brunnen, ein Geschenk des deutschen Kaisers Wilhelm II. an Sultan Abdülhamid, war leider verhüllt, da er derzeit renoviert wird. Ein weiteres antikes Werk in Istanbul, dessen Geschichte 2.500 Jahre zurück reicht, ist die Schlangensäule. Drei ineinander verschlungene Schlangen symbolisieren die Einheit und den Zusammenschluss der griechischen Stadtstaaten.

Der Theodosius-Obelisk auf dem Hippodrom
Der Theodosius-Obelisk auf dem Hippodrom

Auf dem Weg zum Topkapı-Palast ertönte plötzlich lautes Geschrei und wir wurden aufgefordert, so schnell wie möglich wegzurennen. Sollten sich die Unruhen auf dem Taksimplatz nun auf die Altstadt verlagert haben? War das ein Bombenalarm? Wie auch immer, wir rannten erst einmal weg und erfuhren dann, dass eine defekte Gasleitung zu explodieren drohte, was dann aber nicht passiert ist. Nach dieser Aufregung ging es gemütlich weiter zum Topkapı-Palast, der ab 1465 unter Sultan Fatih Mehmet erbaut wurde und vier Jahrhunderte lang dem Osmanischen Herrscher als Wohn- und Regierungssitz diente. Er ist der älteste und größte der heute noch erhaltenen Herrscherpaläste und erstreckte sich ursprünglich über eine Fläche von 700.000 qm. Seit 1924 ist der Palast ein Museum. Wir besichtigten gemeinsam den berühmten Harem und anschließend auf eigene Faust Teile des Parks. Um das riesige Areal mit seinen vielen Gebäuden zu besichtigen, müsste man eigentlich einen ganzen Tag Zeit haben.

Im Harem des Topkapi-Palastes
Im Harem des Topkapı-Palastes

Nach dem Lunch in einem Teppichinstitut besuchten wir den Kapalı Çarşı, den großen Basar. Dieser wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut, beim Erdbeben von 1894 zerstört und wieder in seiner jetzigen Größe aufgebaut. Der Basar ist mit 22 Eingängen, 64 Straßen und Gassen, 3.600 Geschäften und Läden auf einer Fläche von 45.000 qm wie eine Stadt innerhalb einer Stadt. Je nach Jahreszeit schwankt die Zahl der Besucher zwischen 250.000 bis 400.000 pro Tag. Damit ist der Basar das größte Handelszentrum der Türkei.

Kapalı Çarşı - der große Basar
Kapalı Çarşı – der große Basar

Nach diesem mit wunderschönen Eindrücken prall gefüllten Tag verabredeten wir uns zu einem gemeinsamen Abendessen, das wir im Garten eines gemütlichen Restaurants einnahmen, um anschließend wieder den Abend auf der Dachterrasse unseres Hotels ausklingen zu lassen.

Am dritten Tag, Dienstag der 11. Juni, besuchten wir zunächst die Sultanahmet Camii, auch Blaue Moschee genannt, die prächtigste und größte Moschee der Stadt. Ihr Bau dauerte nur sieben Jahre von Mai 1609 bis Juni 1616. Den Hauptraum überspannt eine 43 m hohe zentrale Kuppel mit 23 m Durchmesser. Er wird von 260 Fenstern erhellt, die teilweise mit Glasmalereien verziert sind. Bis zur ersten Fensterreihe wurden mehr als 21.000 Fayence-Fliesen verwendet, die jede ein kleines Kunstwerk und von unschätzbarem Wert ist.

Die Sultanahmet Camii - die blaue Moschee
Die Sultanahmet Camii – die blaue Moschee

Nun erwartete uns die Hagia Sophia, ehemals größte Basilika des byzantinischen Reichs. Die Hagia Sophia ist ein Meisterwerk der Architekturkunst und ein Weltwunder, das seit 1500 Jahren existiert! Die Hauptkuppel ist 56 m hoch und hat einen Durchmesser von 32 m. Die Hagia Sophia wurde 1930 auf Anweisung von Atatürk in ein Museum verwandelt und der gesamten Menschheit zum Geschenk gemacht.

Die Hagia Sophia
Die Hagia Sophia

Nach einem köstlichen Lunch in der Sultanahmet Köftecisi fuhr ich mit Traute und Inge mit der Straßenbahn auf die gegenüberliegende Seite des Goldenen Horns, während für die restliche Gruppe ein strammer Fußmarsch dorthin zu bewältigen war. Alle wieder zusammen, ging es über unzählige Treppenstufen hoch zum Galata-Turm. Ein Aufzug brachte uns zur Aussichtsrunde, wo wir einen gigantischen Ausblick in alle Richtungen dieser großartigen Stadt hatten: In nördlicher und östlicher Richtung Stadt ohne Ende, im Süden ein herrlicher Blick auf den Bosporus, der südwestlich in das Marmarameer und zum Westen hin in das Goldene Horn mit der grandiosen Silhouette der Altstadt übergeht. Der Galata-Turm wurde 1348 als Teil der Galata-Verteidigungsmauern errichtet. Er ist 70 m hoch, seine Mauern sind etwa 4 m dick, sein Außendurchmesser beträgt 17 m und sein Innendurchmesser ca. 9 m.

Blick auf den Galata-Turm
Blick auf den Galata-Turm

Ein Fußmarsch über die Galata-Brücke brachte uns wieder zurück auf die Halbinsel nach Eminönü. Bei einem Blick zurück in Richtung Taksimplatz waren riesige schwarze Rauchwolken zu sehen, die von brennenden Autos herrührten. Unser Ziel aber war der Mısır Çarşısı, übersetzt heißt das Maismarkt, wird jedoch Ägyptischer Basar genannt durch die ägyptischen Gewürzhändler, die sich hier ursprünglich niederließen. Dieser Markt ist ein Paradies für Liebhaber von Gewürzen und Süßigkeiten.

Mısır Çarsısı - der Ägyptische Basar
Gewürzstand auf dem Mısır Çarsısı – der Ägyptische Basar

Wieder neigte sich ein Tag mit großem Input für alle Sinne dem Ende entgegen, der wiederum bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant und einem Absacker auf der Dachterrasse abgeschlossen wurde.

Am Mittwochmorgen, oh wie schrecklich, regnete es! Es war dennoch angenehm warm und wir nach einem kurzen Gang zur nächsten Straßenbahn darin wieder im Trockenen. Wir fuhren in den Stadtteil Kabataş und von dort mit einem Schiff zu den Prinzeninseln im asiatischen Teil Istanbuls. Während der eineinhalbstündigen Überfahrt hörte es auf zu regnen. Was aber nicht aufhörte, war diese riesige Stadt. Soweit das Auge reicht, waren Häuser über Häuser zu sehen. Auf der großen Insel, der büyük ada, stiegen wir vom Schiff um auf vier Kutschen, die jeweils von zwei Pferden gezogen wurden und uns auf etwa die halbe Höhe der Insel brachten.

Auf der büyük ada, der großen Insel
Auf der büyük ada, der großen Prinzeninsel

Der Weg war gesäumt von prachtvollen Gärten, die zwischen üppig blühenden Büschen den Blick auf Prachtvillen freigaben. Den weiteren Weg auf die Spitze der Insel mussten wir zu Fuß gehen. Oben angekommen hatten wir einen weiten, jedoch etwas getrübten Ausblick auf das Marmarameer und die anderen Inseln. Bei einem Besuch im orthodoxen Georgskloster aus dem 10. Jahrhundert wurden wir unfreundlich behandelt, so dass wir diesen Ort recht schnell wieder verließen und zurück zu den Kutschen gingen, mit denen wir wieder durch das Inselparadies zum Hafen fuhren. Durch die Unruhen auf dem Taksimplatz, den wir im Anschluss an diesen Ausflug besuchen wollten, hatten der Reiseleiter und ich das ursprünglich geplante Programm geändert, so dass wir mehr Zeit auf der Insel und somit noch für einen Restaurantbesuch hatten, ehe uns ein Schiff wieder zurück auf das Festland brachte.

Buntes Treiben Im Hafen von Eminönü
Buntes Treiben Im Hafen von Eminönü

Der Abend war wieder zur freien Verfügung, den die meisten zu einem gemeinsamen Abendessen nutzten. Danach gab es wieder einen Absacker, aber diesmal im klitzekleinen Garten des Hotels, wo wir durch enges Zusammenrücken auch Platz fanden. Hier ergriff Uwe das Wort und bedankte sich im Namen der Gruppe beim deutsch-türkischen Orga-Team, also bei mir und bei Ali, für die Organisation dieser Reise und überreichte uns jeweils einen Umschlag mit einem Obolus, für den ich mich auch an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanke: teşekkür ederim!

Am Donnerstag war nach dem Frühstück noch Zeit für einen kleinen Bummel durch die sehenswerte Soğukçeşme Sokağı, die Straße des kalten Brunnens. In den 1980-er Jahren aufwändig saniert, zeigt die Straße nun wieder die Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Holzhaus in der Soğukçeşme Sokağı
Holzhaus in der Soğukçeşme Sokağı

Dann hieß es Koffer in den Bus schleppen, Getränkerechnung bezahlen, und los ging es zum Fischmarkt nach Kumkapı. Dieser Abstecher war eine Idee von mir, da im Reiseführer besonders empfohlen, allerdings nicht die beste. Gegen Mittag war hier nichts mehr los, die Fische waren größtenteils verkauft, und in den lauschigen Gassen gegenüber setzt erst gegen Abend emsiges Treiben ein. So blieben uns nach einem letzten Lunch nur noch die Fahrt zum Flughafen und die Heimreise nach Flensburg.

Kumkapı - die letzten Waren auf dem Fischmarkt
Kumkapı – die letzten Waren auf dem Fischmarkt

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