Teneriffa

Rosi Gerlich

Teneriffa – Genusswandern auf der größten kanarischen Insel vom 13. bis 22.03.2017

„Teneriffa … gleichsam an der Pforte der Tropen und doch nur wenige Tagesreisen von Spanien, hat schon ein gut Teil der Herrlichkeit aufzuweisen, mit der die Natur die Länder zwischen den Wendekreisen ausstattet. Im Pflanzenreich treten bereits mehrere der schönsten und großartigsten Gestalten auf, die Bananen und Palmen. Wer Sinn für Naturschönheit hat, findet auf dieser köstlichen Insel noch kräftigere Heilmittel als das Klima. Kein Ort der Welt scheint mir geeigneter, die Schwermut zu bannen und einem schmerzlich ergriffenen Gemüte den Frieden wiederzugeben, als Teneriffa.“
(Alexander von Humboldt, Reisebuch von 1799)

Diese Wanderreise habe ich mit Martin Velling aus Hattingen geplant. Martin ist hauptberuflicher Wanderleiter und reiste mit einer zwölf-Personen-Gruppe aus dem Ruhrgebiet an. Die meisten von ihnen sind Mitglieder des Sauerländischen Gebirgs-Vereins, mit 35.000 Mitgliedern der drittgrößte Wander- und Freizeitverein bundesweit und der größte in Nordrhein-Westfalen. Mit unseren 16 Teilnehmern waren wir somit eine recht große Gruppe von 29 Personen. Martin wurde mir durch Ingrid G. empfohlen, die aufgrund ihres Beinbruchs die Reise leider stornieren musste.

Am Montag (13.03.) wurden wir ab 05:30 Uhr vom Airport-Service eingesammelt und nach Hamburg gefahren. Mit Condor ging es dann in einem knapp fünfstündigen Flug nach Teneriffa und dort mit  Taxen nach Puerto de la Cruz, wo wir im Hotel „Weare La Paz“ von Martin empfangen wurden. Nach der Zimmerbelegung war noch Zeit zu einem Rundgang durch die Altstadt und zu einem Bad im Hotel-Pool oder einfach nur für einen Kaffee, bevor wir uns mit der SGV-Gruppe zum gemeinsamen Abendessen trafen.

Am Dienstag (14.03.) fand eine Akklimatisierungswanderung an der Steilküste statt. Für diese Wanderung waren vier Stunden Gehzeit sowie ein Höhenunterschied von 150 m angesetzt. Dass dieser Höhenunterschied etwa viermal hoch und runter ging, machte die Tour anstrengender als erwartet. Von Puerto de la Cruz wanderten wir durch Villenviertel zum Klippenweg hoch über der Playa de Bollulo und teilweise an Stränden entlang weiter zum Weiler El Rincon. Wer wollte, besuchte anschließend noch den Botanischen Garten.

Für Mittwoch (15.03.) stand die Tour „Wald, Wasser, Fels mit Teideblick“ auf dem Programm. Die mittelschwere Wanderung mit einem Höhenunterschied von 350 m sollte fünf Stunden dauern. Vom Busbahnhof fuhren wir nach La Caldera. Im Hinterland von Puerto de la Cruz und La Orotava wanderten wir in einer Höhe zwischen 1.200 und 1.600 m um die Los Organos (Orgelpfeifen) durch eine Schluchten- und Felsenwelt mit schmalen Barrancopfaden und breiten Forstwegen sowie Ausblicken aufs Orotavatal. Vom Teide war nichts zu sehen, da diese Höhe von dichten Wolken verhüllt war. Gerade deshalb war es eine besondere Tour durch flechtenbehangene Kiefern auf samtweichen Wanderwegen. Auf der Rückfahrt machten wir noch einen Stopp in Orotava und einen kleinen Bummel durch die Altstadt.

Am Donnerstag (16.03.) hieß es im Wanderprogramm „Höher geht es nicht!“ Mit mehreren Kleinbussen fuhren wir auf die Canadas-Hochfläche am Fuße des Teide, mit 3.707 m der höchste Berg Spaniens. Am Eingang zum Nationalpark war mit der geplanten Wanderung um die bizarre Felsengruppe Roques de García mit dem Roque Cinchado (Finger Gottes) und der Catedral jedoch Schluss: Am Vortag blieb eine Gondel der Teide-Seilbahn stecken. 70 Personen mussten aus luftiger Höhe abgeseilt werden, weitere 200 Personen saßen auf dem Teide fest, die meisten konnten am selben Tag vom Berg geführt werden. Etwa 100 Menschen mussten jedoch die Nacht in verschiedenen Schutzhütten verbringen, sie wurden mit Helikoptern mit Decken und Nahrung versorgt. Durch diesen Zwischenfall blieb die Seilbahn auch während unseres restlichen Aufenthalts gesperrt, so dass uns das Gipfelglück versagt blieb. Stattdessen machten wir eine beschauliche, aber interessante Wanderung auf den Canadas bei wolkenlosem Himmel und grandiosem Blick auf den Teide.

Der Freitag (17.03.) führte uns zur „Kultur und Erholung in zwei alte Metropolen“. Mit dem Linienbus fuhren wir in die Hauptstadt der Insel nach Santa Cruz. Der vollständige Name und Titel der Stadt lautet „Muy Leal, Noble e Invicta Villa, Puerto y Plaza de Santa Cruz de Santiago“ – „Sehr treue, edle und unbesiegte Stadt, Hafen und Ort des Heiligen Kreuzes von Sankt Jakob“.  Die Stadt hat 220.000 Einwohner und einen der größten spanischen Seehäfen des Atlantiks. Nach einem Rundgang im Bereich des Hafens und Markts und durch die Altstadt ging es nach individueller Mittagspause mit einer modernen Überlandstraßenbahn zur alten Universitätsstadt San Cristóbal de La Laguna. La Laguna hat etwa 150.000 Einwohner und einen Bischofssitz sowie eine Universität mit 25.000 Studierenden. Die im Jahr 1496 gegründete Stadt hat wunderschöne alte Häuser, leider etliche auch dem Verfall preisgegeben. Ein Bummel durch die Stadt führte uns auch zur Iglesia de la Concepción, von dessen Glockenturm aus man eine herrliche Aussicht auf die Stadt hat.

Am Samstag (18.03.) war die  anspruchsvolle Rundtour „Im Anagagebirge“ von Cruz del Carmen über Chinamada vorgesehen. Durch heftige Regenfälle am Vortag musste Martin umdisponieren, so wurde aus der Rundtour eine Kombinationstour von Cruz del Carmen (950 m) über Chinamada (590 m) nach Punta del Hidalgo (70 m). Diese Wanderung ist noch weitgehend unbekannt und ein absoluter Leckerbissen für Anaga-Liebhaber, so steht es im Wanderführer. Allerdings scheinen Extrem-Radfahrer diese Wege für sich entdeckt zu haben, sind wir doch etlichen begegnet. Nach ein paar Regentropfen zu Beginn der Tour entwickelte sich der Tag zu einem herrlichen sonnigen Wandertag mit prächtigen Aussichten auf schroffe Berge und Meer. In Chinamada wohnen wenige Menschen in Höhlenhäusern an steilen Hängen mit Terrassenfeldern. Auf dem dortigen Kirchplatz machten wir die Mittagspause, bevor es an den steilen Abstieg zwischen zerklüfteten und ausgehöhlten Felswänden nach Punta del Hidalgo ging. Unterwegs sorgte ein kanarischer Unabhängigkeitskämpfer für Erheiterung und verteilte diesen Aufkleber:

Der Sonntag (19.03.) sollte der Erholung dienen, deshalb war nur eine leichte Wanderung „aussichtsreich an der Küste lang“ ohne nennenswerte Anstiege vorgesehen. Vom Hotel aus ging es zur Küste und dann stets auf „Höhe Null“ über Punta Brava an einigen Stränden sowie Dörfern und Villenorten vorbei bis zum Mirador de San Pedro. An einem schönen Strandabschnitt wurde eine größere Pause eingelegt, die zum Baden im Atlantik oder in der Sonne genutzt wurde. Während einige den Rückweg mit dem Bus antraten, machte sich der Großteil der Gruppe zu Fuß auf den Rückweg bis zum Loro-Park, um von dort aus mit der kostenlosen Bummelbahn ins Zentrum zu fahren. Diese Tour war, jedenfalls für mich, anstrengender als erwartet, auf alle Fälle kein gemütlicher Sonntagsspaziergang, aber dennoch wunderschön.

Am Montag (20.03.) hieß es „Spektakuläres zum Schluss: die Mascaschlucht“, die anspruchsvollste Tour dieser Wanderreise. Mit Minibussen fuhren wir etwa eine Stunde in das Dorf Masca, 600 m hoch gelegen. Von hier ging es steil bergab in das tief eingeschnittene, von mehreren hundert Meter hohen Felswänden eingeschlossene Felslabyrinth des Barranco de Masca. Die anstrengende Wanderung setzte Trittsicherheit und teilweise Schwindelfreiheit voraus, etliche Felsen konnten nur auf dem Hosenboden überwunden werden. Nach etwa dreieinhalb Stunden war die Playa de Masca erreicht, eine von blank geschliffenen Felsen bedeckte Bucht. Nach der wohlverdienten Mittagspause entschied sich ein Großteil unserer Gruppe zur Rückfahrt mit einem Boot, während die ganz Unermüdlichen den Rückweg zu Fuß antraten. Auf dem Hinweg machte Martin unzählige Kreidemarkierungen, die den Rückmarsch erheblich erleichterten. So erreichten wir nach weniger als drei Stunden die heiß ersehnte Gaststätte in Masca, wo uns eines der besten Biere der Welt erwartete.

Den Abend verbrachten wir alle gemeinsam in der Hotelbar, da es der letzte Abend unserer Wanderfreunde aus dem Ruhrpott war, die einen Tag eher angereist waren und auch einen Tag vor uns wieder nach Hause fuhren. Martin erhielt ein wohlverdientes Trinkgeld, dann wurden zwei Runden Bingo gespielt, leider ohne Erfolg. Als hätten unsere Füße und Beine nicht genug geleistet, oder gerade deshalb, wurde anschließend noch getanzt.

Dienstag (21.03.), Heimreisetag für die einen, Tag zur freien Verfügung für die anderen. Nachdem wir uns um 09:15 Uhr von der Ruhrgebiets-Gruppe verabschiedet hatten, hieß es für die Flensburger Gruppe zunächst Koffer packen und Umzug in das Hotel „Puerto Azul“ in der Altstadt, sehr einfach, aber traumhaft gelegen in einer schmalen Gasse ohne Straßenlärm, umgeben von vielen Restaurants. Dieser letzte Tag wurde von einigen zu einem Besuch im Loro-Parque genutzt. Dieser Tierpark ist einer der größten Arbeitgeber der Insel. Er wurde ursprünglich als Papageien-Park angelegt, was ihm auch seinen Namen gab – „Loro“ ist das spanische Wort für „Papagei“. Andere bummelten einfach nur durch die Stadt, gönnten sich Kaffee und riesige Tortenstücke und einige sogar ein Garra-rufa-Spa. Den Abend verbrachten wir in einem spanischen Restaurant mit leckeren einheimischen Köstlichkeiten.

Am Mittwoch (22.03.) endete auch für uns diese Reise. Nach dem Frühstück fuhren wir mit Minibussen zum Airport und erlebten dank Rückenwinds einen besonders schnellen Rückflug. In Hamburg wurden wir vom Airport-Service erwartet und wohlbehalten zu Hause abgeliefert. Diese interessante und abwechslungsreiche Wanderreise mit dem Projekt „Ruhrpötte meets Fischköppe“ kann als gelungen bezeichnet werden.

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Die nördlichste Sektion Deutschlands: Kaum Berge, dafür mehr Meer.