1. Flensburg liebt dich Marathon

4. Juni 2017:
1. Flensburg-liebt-Dich-Marathon

Bericht von Kai Vermehren

Alles begann nach dem Sommerurlaub 2016. Eines Abends im August berichtete Stefan an einem Laufabend, dass er einen Marathonlauf in Flensburg veranstalten möchte. Als Gelegenheitsläufer hatte ich damals gar nicht richtig zugehört, weil ich so ein Unterfangen für mich niemals in Erwägung gezogen hatte. Fortan erzählte Stefan bei jedem gemeinsamen Lauf, wie seine Idee Formen annahm und er vom Träumen langsam in eine Planungsphase überglitt. Während sein Projekt schon immer konkreter wurde, wuchs in meinem Inneren erst ganz langsam ein kleiner zarter Wunsch heran, doch auch mal einem Marathon zu laufen. Hatten zu Hause doch schließlich auch schon alle Erwachsenen dieses zugleich lust- und qualvolle Erlebnis erfolgreich hinter sich gebracht. Nun denn am 27. September, 250 Tage vor dem Lauf, sollte meine planmäßige Vorbereitung beginnen. Dieser Plan hielt nur bis zum Herbsturlaub, danach waren die Abweichungen dann so groß, dass von einer planmäßigen Vorbereitung nicht mehr die Rede sein konnte. Schließlich wollten die anderen Familienmitglieder auch nicht zu kurz kommen. Was folgte war eine Zeit mit vielen erfolgreichen und auch schönen Trainingsläufen, aber auch recht häufig war ein Tal der Tränen zu durchschreiten. 66 Trainingsläufe mit über 900 km Laufstrecke und über 86.000 verbrannten Kalorien später war es dann so weit:

Pfingstsonntag morgens 08:45 Uhr an der Holmnixe treffe ich mit anderen Läufern am Start ein. Neugierig schaue ich mich um. Sind das hier alles die Superlaufcracks? Für Zweifel ist es jetzt zu spät und auch keine Zeit. Schnell noch ein paar Fotos mit Freunden und dann geht es auch schon an den Start und pünktlich um 09:00 Uhr beginnt das Abenteuer. Die ersten zwei Runden läuft alles planmäßig. Aber dann beim letzten Abstieg in der Marineschule schmerzen plötzlich die Knie. Der grandiose Ausblick dort gerät zur unbedeutenden Nebensache. Danach wird es wieder besser. Doch dann bei km 37 kommt er, der befürchtete Einbruch. Der Puls geht auf 70 runter und das Laufen wird zur Tortur. Jetzt nur nicht stehen bleiben und das Ding doch noch irgendwie zu Ende laufen. In dieser Phase gibt die Familie alles zur Motivation und es hilft. Endlich nach 42 km ist das Ziel in Reichweite. Erleichterung und Freude machen sich breit. Jetzt bloß Lächeln, es soll doch ein schönes Zielfoto zur Erinnerung geben. Danach wird im Familienkreis dieser Triumph gefeiert.

Erst am nächsten Tag wird mir bewusst, wie perfekt doch alles vorbereitet war: die beindruckende sehr abwechslungsreiche Laufstrecke entlang der Flensburger Sehenswürdigkeiten, die in kurzen Abständen über die gesamte Strecke verteilten Versorgungstände, die individualisierte Medaille, das wunderschön designte Eventshirt und auch das gute Laufwetter. Es waren perfekte Rahmenbedingungen für eine perfekte Veranstaltung und ich hatte wirklich das Gefühl „Flensburg liebt dich“! Vielen Dank an Stefan für die tolle Idee und an all die ungenannten Helfer im Hintergrund, die uns Läufern dieses schöne Event beschert haben.

Aber eine Rechnung bleibt doch noch offen: Da sind diese verflixten drei Minuten, um die das persönliche Ziel verfehlt wurden …


Bericht von Rosi Gerlich

Selten habe ich mich so sehr auf das Pfingstwochenende gefreut, wie in diesem Jahr: Am Sonntag, 4. Juni, fand endlich die liebevollste Marathonveranstaltung statt, die Flensburg je gesehen hat. Unser Vereinskamerad und Laufkollege Stefan Riedel hat in unermüdlichem Einsatz und mit ganz viel Herzblut seinen großen Traum verwirklicht. Neben einigen anderen Lauffreunden habe ich ihn dabei von Anfang an unterstützt und war immer wieder tief beeindruckt von seinen Ideen und mit welcher Präzision, Geduld, aber auch Hartnäckigkeit er sie umgesetzt hat. Neben einer Menge zusätzlicher Arbeit hat es mir aber auch viel Freude bereitet, Teil dieses großartigen Orga-Teams zu sein.

Am Samstag, 3. Juni, fand im Hotel „Alte Post“ die übliche Marathonmesse mit Ausgabe der Startnummern statt. Claudia, die mich tatkräftig unterstützte, und ich haben dabei unsere Sektion vertreten, die offiziell Partner dieses Lauf-Events war.

Claudia und Rosi haben alle Hände voll zu tun mit dem Verkauf von Event-Shirts und Artikeln der Touristinformation sowie der Ausgabe von Bons für die Nudelparty und das Kenia-Event

Am Abend fand in der Waldorfschule das „Kenia-Event“ statt. Jan Fitschen, 2006 Europameister über 10.000 m, hielt einen grandiosen Vortrag über das Läuferland Kenia. In der Pause gab es eine Kostprobe von Ugali (Getreidebrei aus Maismehl) mit grünem Gemüse (keine Ahnung was, aber lecker), das wir mit den Fingern essen mussten. Dieses traditionelle Essen gilt als einer von 42 Gründen, warum die Kenianer so gute Läufer sind.

Jan Fitschen bei der Ausgabe von Ugali, unterstützt durch seine Ehefrau und unseren Laufkollegen Mats

Nach einer kurzen Nacht traf ich mich am Sonntag frühmorgens mit „meinem“ DAV-Team Anne, Gerd A., Gerda, Herbert, Horst, Jutta, Karin, Marion, Torsten und Wiltrud an „meinem“ Hot Spot Nordertor zum Aufbau. Tische für Getränkestände mussten aus dem Nordertor geschleppt werden, ein Wasserschlauch wurde fachmännisch über das Läuferfeld verlegt, Absperrungen und Pylone mussten ordnungsgemäß aufgestellt werden, Schilder und Fahnen wurden aufgehängt, die Toiletten mit Papier bestückt, genervte Taxi-, Bus- und Autofahrer wurden umgelenkt bzw. abgewiesen und den mobilen Schranken letzte Anweisungen erteilt. Nachdem mein kompetentes Team seine Arbeit aufgenommen hatte, musste ich meinen Hot Spot verlassen, da ich ja auch noch Teil des fantastischen Laufteams „Team run4fun des DAV Flensburg“ war.

Die „mobilen Schranken“ werden eingewiesen (Foto: Anne)

Neben „meinem“ Staffelteam, bestehend aus Michi, Melanie, Reini, Susanne, Nico und mir, war unsere Sektion mit den fünf Marathonis Detlef, Jan, Kai, Lars und Torben sowie mit den drei Halbmarathonis Christel, Christian und Ida am Start. Unsere Sektion ist nicht nur klein und fein, sondern auch ganz schön schnell! Alle Läufer unserer Sektion haben großartige Leistungen erzielt, und das auf der wunderschönen, aber auch anspruchsvollen Laufstrecke. Sie führte vom Südermarkt über Hafenspitze, Ballastbrücke, Kielseng bis zur Fördepromenade, dann durch das Osbektal bis zur Fördestraße, hier ging es ziemlich steil hoch zur Marineschule, nach einer Runde auf dem dortigen Sportplatz steil runter am roten Schloss vorbei mit traumhaftem Blick auf Flensburg und wieder zurück über Sonwik am Hafen entlang bis zur Hafenspitze, dann am Westufer entlang bis zum Nordertor, zurück durch den Oluf-Samson-Gang, Norderstraße, Holm bis Südermarkt. Diese 14 km lange Strecke mussten die Marathonis dreimal laufen.

Eine Besonderheit dieser Laufveranstaltung war auch, dass es in den Disziplinen Marathon und Halbmarathon eine Alpenvereinswertung gab, zu der sich DAV-Mitglieder aus ganz Deutschland anmelden konnten. Insgesamt gab es 15 Anmeldungen für die volle Distanz und neun Anmeldungen für die halbe Distanz von Sektionen aus Fürth und Bayreuth, über Hildesheim, Hannover, Dortmund, Trostberg, Bielefeld und Hamburg bis Berlin. In dieser Alpenvereinswertung erreichte Torben Karges bei seinem ersten Marathon den dritten Platz, während in der Halbmarathon-Distanz Ida Riedel, die mit Abstand jüngste Läuferin in der DAV-Wertung, souverän auf den ersten Platz lief.

Der 1. Flensburg liebt dich Marathon war nicht nur für die Läufer der Sektion Flensburg ein voller Erfolg und ein großartiges Ereignis, sondern auch für die Stadt Flensburg und insbesondere für das Orga-Team, das die Premiere in hervorragender Weise gemeistert hat. Die meisten Teilnehmenden gaben positive Rückmeldungen und wollen im nächsten Jahr beim 2. Flensburg liebt dich Marathon am 10. Juni 2018 wieder an den Start gehen. Und genau das möchte ich auch. Ich möchte wieder mit einem tollen Team aus unserer Sektion am Hot Spot Nordertor mit Wasser, gutem Service und guter Stimmung die Läufer auf Hochtouren bringen. Wer ist dabei?

 

Die nördlichste Sektion Deutschlands: Kaum Berge, dafür mehr Meer.