Halbmarathon Kopenhagen

Rosi Gerlich

Halbmarathon in Kopenhagen am 17.09.2017

Da ich neben Wandern auch liebend gerne laufe, gönne ich mir hin und wieder die Strapaze eines Laufwettbewerbs. Ich laufe nicht schnell, habe aber viel Spaß dabei, und das ist die Hauptsache. Also haben meine jüngere Tochter Melanie und ich uns kurzentschlossen als DAV-Flensburg-Team zum Halb­marathon in Kopenhagen angemeldet, meine ältere Tochter Yvonne kam auch mit, und so verbrachten wir zu dritt unser jährliches Mädelswochenende in und der Umgebung der dänischen Hauptstadt.

Am Freitagmittag holten wir in den Sparta Hallen unsere Startunterlagen ab und genossen das bunte Treiben auf der Marathon-Messe. Der Samstag war der Kultur gewidmet. Mit einem Mietauto fuhren wir zu den Forgotten Giants von Thomas Dambo (www.thomasdambo.com/works/forgotten-giants). Die sechs riesigen open-Air-Skulpturen sind liebevoll aus Abfallholz hergestellt und befinden sich an fünf verschiedenen Orten, teils versteckt im Wald. Wir waren hellauf vor Begeisterung. Diesen Ausflug kann ich wärmstens empfeh­len, man sollte aber einen ganzen Tag dafür einplanen. Am Abend suchten wir recht früh unsere Betten auf, um am nächsten Tag ausgeschlafen auf die Laufstrecke gehen zu können.

Der Sonntag begann sehr früh, hochmotiviert gingen Melanie und ich zur Bushaltestelle, an der schon viele Läufer standen. Wir warteten auf den nächsten Bus, und warteten, und warteten, aber der Bus kam nicht. Dann gingen alle Läufer zum Bahnhof und fuhren mit der S-Bahn nach Nordhavn. Zu Fuß ging es noch 1,7 km zum Fælledparken. Nach einigen Irrwegen fan­den wir dann auch die Kleiderbeutelaufbewahrung und unseren Startplatz weit hinter der Startlinie. Ich war in der sechsten und letzten Startgruppe eingeteilt, stellte mich aber gemeinsam mit Melanie in der vierten Startgruppe auf.

Um 11:15 Uhr hatte die Warterei endlich ein Ende. Bei herrlichstem Wetter und idealen Laufbedingungen passierten wir das Stadion und bogen ein in die Innenstadt. Dort ging es am Botanischen Garten vorbei über die Dronning Louise Brücke durch den Stadtteil Nørrebro. In Frederiksberg, das eine eigen­ständige Kommune mitten in Kopenhagen ist, hatten wir zunächst noch viel Spaß, der bei Kilometer 9 jäh beendet wurde, als ein Gewitter mit Starkregen und Hagel einsetzte. Das Gewitter war direkt über uns, es blitze und donnerte in einem. Pitschenass liefen wir weiter und trotzten auch den riesigen Hagel­körnern, die ganz schön wehtaten. Nach etwa zwei Kilometern hörte der Regen auf, und uns war eiskalt. Wir befanden uns inzwi­schen mitten in Vester­bro und hatten etwa die halbe Strecke hinter uns. Mit zarten Son­nenstrahlen stiegen wieder Körpertemperatur und Lauffreude, und weiter ging es am Hafen entlang in die Innenstadt und an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei.

Bei Kilometer 15 erfuhren wir von Streckenposten, dass die Laufveranstaltung abgesagt wurde, da es durch das Gewitter einige Verletzte gegeben hätte und im gesamten Zielbereich der Strom ausgefallen sei. Nun, was tun? Da wir sowieso zum Fælledparken zurück mussten, um unsere Kleiderbeutel abzu­holen, liefen wir – wie alle anderen Läufer auch – unbeirrt weiter. Außerdem wollten wir unbedingt eine Medaille haben. Die letzten vier bis fünf Kilometer mussten wir dann auf den Bürgersteigen laufen, da aufgrund der Absage die Straßen nicht mehr abgesperrt waren. Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel ist es dann passiert: Melanie knickte um und zog sich einen Bänderriss zu. Doch auch das hielt uns nicht davon ab, das Ziel zu Fuß, nun Arm in Arm humpelnd, zu erreichen. Vor dem Ziel mussten wir eine immer noch überschwemmte Straße durchqueren, aber dann bekamen wir die ganz besonders verdiente Medaille umgehängt.

Die Zeit ist für mich kein Maßstab, für mich gilt nur ankommen und nicht Letzte werden. Und das haben wir gemeinsam geschafft! Wir sind unter extremen Bedingungen angekommen und haben immerhin noch 59 Läufer hinter uns gelassen.

Für Freunde der Statistik: Von 21.243 angemeldeten Läufern gingen 18.710 an den Start, davon haben 18.392 gefinisht und sind insgesamt 391.376 km gelaufen.

Die nördlichste Sektion Deutschlands: Kaum Berge, dafür mehr Meer.