2011: Königsjodler

Gerd Andresen:

Königsjodler-Klettersteig am Hochkönig

Das Hochkönigmassiv

Montag, 22. August 2011: Königsjodler, der Zweite. Nachdem ich im August 2009 auf Grund des schlechten Wetters die Tour abbrechen musste, soll es diesmal klappen. Mit Nils Gontrum, der mit seinen 24 Jahren unseren Alters­durchschnitt auf 42,5 Jahre drückt, habe ich einen jungen, kräftigen und kondi­tionsstarken Kletterpartner dabei.

Der Klettersteig wurde 2001 von Richard Franzl aus Dienten angelegt. Mit 1 700 Metern ist es der längste Klettersteig im Salzburger Land und mit Schwierigkeitsgraden von C bis D der schwierigste am Hochkönig. Bis auf ein kurzes Stück ist er durchgehend mit einem Stahlseil versichert. Vom Einstieg bis zum Ausstieg sind es ca. 600 Höhenmeter, die sich aber durch das stän­dige Auf und Ab auf insgesamt 1 000 Höhenmeter summieren. Die benötigte Zeit wird mit vier bis sechs Stunden angegeben.

Unser Ausgangspunkt ist die Erichshütte (1 540 m). Wir frühstücken um 6:00 Uhr und um 6:50 Uhr machen wir uns bei bestem Wetter auf den Weg. Von der Erichshütte bis zum Einstieg sind 770 Höhenmeter zu überwinden. An­fangs geht es bergauf über Almwiesen, aber nach gut einer Stunde ändert sich das Bild und wir erreichen nach einem Wegstück durch Latschenkiefer kargen Fels. Nach dem Überwinden von zwei Leitern erreichen wir um 09:00 Uhr in 2 310 m den Einstieg am Flower Tower. Wir legen unser Klettergeschirr, an und nach einer kurzen Pause geht es los. Es geht gleich richtig zur Sache. Der Einstieg ist steil und fordert ordentlich Armkraft. Oben angekommen, wartet der Mühlbacher Turm auf uns. Um den zu erreichen, müssen wir aber zu­nächst in eine Scharte steil absteigen. Nach der Überschreitung des Turmes folgt der sogenannte Jungfrauensprung. Dies ist ein Spreizschritt über einen 50 m tiefen Abgrund. Kleine Leute mit kurzen Beinen sollten sich zusätzlich mit Bandschlinge und Karabiner sichern. Anschließend geht es auf den Teu­fels­turm, von hier wieder hinunter, um auf einer 5 m langen Dreiseilbrücke die Teufelsschlucht zu überwinden. Die Kletterei wechselt zwischen leicht und an­strengend. Nach einem ungesicherten Abschnitt gehen wir auf einem gesi­cher­ten schmalen Grat  zum Sallerriss. Von hier müssen wir wieder abwärts klettern, bis wir den Flying Fox erreichen. Die Seilrolle, die uns an dem Stahl­seil mit 10° Neigung über die Schlucht bringen soll, ist nicht vorhanden, und so sichern wir uns zusätzlich zu unserem Klettersteigset mit Schraubkarabiner und Bandschlinge und hangeln uns hinüber auf die andere Seite. An Ausruhen ist nicht zu denken, denn es geht gleich wieder steil hinauf auf das 2 522 m hohe Teufelshörnl. Das Panorama von hier oben ist, wie auf dem gesamten Weg, einmalig. Es folgt ein weiterer schmaler Grat, und nach einer luftigen Passage erreichen wir eine Scharte. Hier befindet sich der Notausstieg ins Birkar. Der Blick hinab lässt mich erschaudern, der Weg ist steil und besteht nur aus Schotter, zudem gibt es keine Versicherung. Obwohl wir bis hierher vier Stunden gebraucht haben und erst die Hälfte des Weges hinter uns haben, beschließen wir, weiter zu klettern.

Nach einer ausgiebigen Pause geht es weiter. Kurz nach dem Start kommt uns ein Kletterer entgegen, der uns schon kurz nach dem Einstieg überholt hatte. Er klettert ungesichert und erzählt uns, dass er diesen Klettersteig schon unzählige Male geklettert sei, und dass wir schon mehr als die Hälfte des Steiges geschafft hätten. Niels, der keine Probleme hat, nimmt es locker auf. Ich dagegen, der doch langsam Krämpfe in den Armen und Fingern be­kommt, höre es gerne. Noch aber haben wir den Kummetstein zu überwinden. Vom steilen Aufstieg auf dessen Gipfel geht es noch einmal steil bergab. Ich bin froh, denn die Krämpfe in den Fingern nehmen zu. In der Scharte ange­kommen, möchte ich am liebsten den Rest meiner drei Liter Wasser austrin­ken, jedoch Nils meint, ich soll mir das für das Ende aufsparen. Er hat natür­lich Recht, denn wir haben mit dem Aufstieg auf den Franz-Eduard­-Matras-Kopf noch ein steiles und hartes Kletterstück vor uns. Nun geht es mit ein paar Spreizschritten hinüber auf einen Grat, und von dort erreichen wir über eine kurze Platte nach acht Stunden in einer Höhe von 2 875 m den Ausstieg am südlichen Hohen Kopf. Während ich ziemlich erschöpft bin und gerade noch schaffe, eine Spende in die Spendendose zum Erhalt des Klettersteiges ein­zuwerfen, trägt uns Niels in das Gipfelbuch ein und läuft anschließend noch in Richtung Übergossene Alm, um sich den Gletscher anzusehen.

Ich gehe langsam in Richtung Matrashaus, das ich nach mehrmaligem Auf und Ab nach 45 Minuten erreiche und das auf dem Gipfel des Hochkönigs in 2 941m Höhe liegt. Nils ist vorgegangen und hat schon für Schlafplätze und Getränke gesorgt. Ich bin so durstig, dass ich mich beim Trinken zurückhalten muss. Nach dem Essen ziehe ich mich früh auf mein Lager zurück und schlafe auch schnell ein. Es wird eine unruhige Nacht, da die Hütte gut gefüllt ist. Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück gut gelaunt an den Abstieg.

Das Ganze war eine anstrengende, aber gelungene Tour. Mit Nils habe ich mich bestens verstanden. Ich werde jederzeit wieder mit ihm auf Tour gehen.

Die Erichhütte
Der Zustieg
Der Königsjodler
Flying Fox
Geschafft – Eintrag in das Gipfelbuch

Ein Gedanke zu „2011: Königsjodler“

  1. Ein schöner Bericht!Ein grossartiger und sowohl technisch wie konditionell sehr fordernder Klettersteig.Da kommt wieder Erinnerung auf an meine eigene Begehung aus dem Jahr 2005 mit Abstieg durchs Birgkar.

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